Medica 2011: Mobile Lösungen gefragt
Die Trends: Tablet-PCs treten ihren Siegeszug zunehmend auch in Klinik und Praxis an. Darüber hinaus sind Anwendungen für die Gesundheitskarte ein Thema.
Mehr als 400 Aussteller präsentieren in diesem Jahr bei der Medizinmesse Medica in Düsseldorf ihre Lösungen im Bereich medizinischer Informations- und Kommunikationstechnologien. Ein zentrales Thema sowohl in den Diskussionsforen als auch im Ausstellungsbereich sind mobile Anwendungen und Geräte, die auf den Einsatz in Krankenhaus und Praxis zugeschnitten sind. In den USA sind Tablet-PCs und Smartphones im medizinischen Umfeld bereits stark verbreitet, und Experten erwarten, dass diese Entwicklung auch hierzulande um sich greifen wird. So gibt es inzwischen 1 600 Applikationen (Apps) allein im deutschen Appstore – Tendenz stark steigend. Auch wenn viele Aspekte für den praktischen Einsatz noch geklärt werden müssen, etwa wann eine App oder ein mobiles Gerät als Medizinprodukt zu bewerten ist oder wie sich die Geräte sicher und datenschutzgerecht in IT- und medizintechnische Umgebungen einbinden lassen – klar ist, dass sich Krankenhäuser und Praxen künftig auf das „mobile computing“ einstellen müssen.
Gefragt sind darüber hinaus Lösungen, die die sichere sektorenübergreifende Kommunikation medizinischer Einrichtungen unterstützen und die zeitnahe Verfügbarkeit etwa von Befunden oder Medikationen verbessern. Eine wesentliche Voraussetzung für den behandlungsbezogenen Datenaustausch spielen elektronische Aktensysteme. Neben der einrichtungsübergreifenden elektronischen Patientenakte eröffnet vor allem die Fallakte hier neue Möglichkeiten (www.fallakte.de).
Zu den Standardthemen der Gesundheitstelematik zählt seit Jahren die elektronische Gesundheitskarte (eGK). Seit Oktober 2011 geben die gesetzlichen Krankenkassen bundesweit die eGK an ihre Versicherten aus. Während viele Ärzte dies weiterhin eher kritisch betrachten, sehen Politik und Industrie darin einen großen Schritt zur Weiterentwicklung der Telematikinfrastruktur im Gesundheitswesen. „Die Krankenkassen sollten freiwillig über die geforderten zehn Prozent hinausgehen und möglichst bald alle Versicherten mit der Karte versorgen“, meinte unlängst Prof. Dr. Dieter Kempf, Präsident des Hightech-Branchenverbands Bitkom. Nach einer repräsentativen bundesweiten Umfrage, den das Meinungsforschungsinstitut Aris im Auftrag des IT-Verbandes durchgeführt hat, wächst die Zustimmung zur Gesundheitskarte. Etwa 70 Prozent der Bundesbürger seien für die Karte. Bei der letzten Erhebung im Jahr 2009 waren es noch 59 Prozent. Der Zuspruch ist umso höher, je jünger die Befragten sind. So wünschen sich mehr als vier Fünftel der unter 30-Jährigen die Einführung der Karte (www.bitkom.org).
Bei der Medizinmesse Medica in Düsseldorf werden einige Neuheiten und potenzielle Mehrwertdienste rund um die neue Karte vorgestellt. Dazu zählt das von Atos Worldline gemeinsam mit der ZTG GmbH entwickelte Konzept, die eGK für Zahlungsfunktionen im Umfeld medizinischer Leistungen zu nutzen, um beispielsweise Praxisgebühr, IGeL-Leistungen oder Zuzahlungen bargeldlos abzuwickeln. Die Karte dient dabei nur zur Identifikation des Versicherten, der hierüber die Nutzung eines Bezahlkontos autorisiert. Damit soll die strenge Trennung von medizinischen Daten gewährleistet werden. Um zu verhindern, dass Rückschlüsse auf Umfang und Art der abgerechneten medizinischen Leistungen möglich sind, wird im Zahlungsprozess zudem ein neutraler Treuhänder zwischengeschaltet. Eine verschlüsselte Datenübermittlung und Anonymisierung der Daten soll sicherstellen, dass niemand Informationen für anderweitige Zwecke auswerten kann.
Noch in diesem Jahr beginnt darber hinaus ein Projekt zur Erprobung möglicher Ausgabeprozesse des elektronischen Gesundheitsberuferegisters in Kooperation mit der Landesinitiative eGesundheit.nrw. Das Register soll künftig elektronische Heilberufs- und Berufsausweise an Angehörige der Gesundheitsfachberufe ausgeben. Die Ausweise, die für den Zugriff auf Daten und Anwendungen der eGK erforderlich sind, gewährleisten die sichere Authentifizierung und Autorisierung von Heilberuflern und ermöglichen zudem eine qualifizierte Signatur elektronischer Dokumente. 1 000 Physiotherapeuten in Nordrhein-Westfalen erhalten im Rahmen eines regionalen Pilotbetriebs ab Frühjahr 2012 den elektronischen Ausweis. Sukzessive sollen dann weitere Berufsgruppen ausgestattet werden (Infos: www.ztg-nrw.de).
Quelle: Deutsches Ärzteblatt
Link-Tipp: PflegeWiki
Alles über den Bereich Pflege im Gesundheitsbereich gebündelt im PflegeWiki
Health-news präsentiert von

App: Progressive Muskelentspannung
Durch Anspannung zur Entspannung - das scheinbar widersprüchliche Motto der progressiven Muskelentspannung nach Jacobson hält, was es verspricht
Soziale Netzwerke im Gesundheitssektor
Zum Thema Health 2.0 ein spannender Artikel von Ulrich Wirth, Leiter der Euro-Schulen Trier. Den Artikel gibt's zum Download. Unbedingt bis zum Ende lesen!